SAMMLUNG Ziehe – Krippen und mehr...

Weihnachtspyramiden

Mit der Benutzung des Lichtschmucks am Weihnachtsbaum einher ging offenbar die Entwicklung von Lichtergestellen, die regional verschieden ausgebildet waren.

In der Mark Brandenburg und einigen angrenzenden Landschaften war die Weihnachtspyramide verbreitet. Sie besteht in ihrer Grundform aus vier hölzernen Ständern, die zueinander so in obere und untere Bretter oder Leisten gefügt sind, dass sie die Form einer hohen langgestreckten Pyramide bilden. Die vier Ständer tragen in der Regel die Lichterhalter und waren manchmal mit Tannengrün, zuweilen auch mit Buchsbaumzweigen versehen – häufig aber auch mit grünem Papier.

In ihrer vollendeten Form besitzt die brandenburgische Pyramide eine drehbare Mittelachse, die mit Hilfe eines an seinem oberen Ende angebrachten Flügelrades durch die Wärme der Lichter in Drehung versetzt wird. Auf den an der Achse befindlichen Etagen fanden dann hauptsächlich Tierfiguren Platz, die in der Bewegung wohl schnell die Kinderaugen in ihren Bann zu ziehen vermochten. Der untere Teil der Pyramide bestand in der Regel aus einem quadratischen Brett mit vier Füßen und war nach außen mit einem zierlichen Zaun abgegrenzt.

Dieses örtlich als Paradies bzw. Paradiesgarten bezeichnete Terrain pflegte man gewöhnlich mit Moos auszulegen um dann darin Tierfiguren oder auch eine Weihnachtskrippe zu stellen. Dies brachte der Pyramide gelegentlich auch den Namen "Paradies" ein.







                                                                                                          Krippenweg oder Krippenzyklus

Das Krippengeschehen folgt einem festen zeitlichen Ablauf im Krippenjahr.
In Jahreskrippen im Süden finden wir mit dem Sündenfall, mit Abraham, mit Mose, mit dem ägyptischen Josef, mit David und mit dem Propheten Elia zahlreiche Darstellungen aus dem Alten Testament.

Weiterhin kündigen Propheten den Messias an, es gibt Szenen zum Stammbaum Jesu Christi, man sieht Zacharias beim Rauchopfer, die Verkündigung an Maria, den Besuch Marias bei Elisabeth, die Namensgebung Johannes des Täufers, den Aufruf zur Volkszählung, die Reise nach Betlehem, die Herbergssuche, die Geburt Jesu, die Hirten, die Anbetung der Könige, die Darstellung Jesu im Tempel, die Flucht nach Ägypten, der Kindermord in Bethlehem und die Heimkehr nach Nazareth.










Paradiesgärten

Im Erzgebirge lässt sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts schon die Tradition nachweisen, zu Weihnachten "Paradiesgärten" aufzustellen.

Hier sah man, später unter dem im 19. Jahrhundert in Gebrauch gekommenen Christbaum platziert, Adam und Eva inmitten von zahlreichen Tieren – der 24. Dezember ist in der christlichen Tradition der Tag Adams und Evas.

In der Zeitspanne von 1870 bis 1940 ist für den vorerzgebirgischen Raum um Chemnitz, in Chemnitz selbst, im Erzgebirge und im Vogtland eine besondere Häufung schriftlicher und bildlicher Belege für den Paradiesgarten festzustellen.
Zur paradiesischen Gemeinschaft im Garten gesellten sich Apostel- und Heiligenfiguren, die Tiere und die menschlichen Figuren der Arche, sehr beliebt waren Engelfiguren, die das Paradies sorglos bewohnten oder aufmerksam bewachten.

Auch das Urelternpaar (überwiegend Massefiguren) hatte hier seinen Platz. Einiges ging immer wieder im Laufe der Jahre kaputt. Die nachfolgenden Generationen erweiterten die Ausstattung mit weiteren Figuren. In neuerer Zeit traf man auf elektrische Spielereien und selbst auf Überraschungseifiguren.

Nach der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor der Paradiesgarten im Weihnachtsbrauchtum immer mehr an Bedeutung. Ganz vereinzelt findet man heute in westsächsischen und vogtländischen Gebieten Familien, die denen es Tradition ist, zur Weihnachtszeit einen Garten zu errichten.



                                                                                                                       Papier, Pappe und Blech

Die schönsten Krippen aus Papier haben ihre Wurzeln im 18. Jahrhundert. Kaiser Josef II. verbot es, Weihnachtskrippen in Kirchen aufzustellen. Deshalb stellten sich die Menschen die geliebten Figuren und Landschaftskulissen einfach zu Hause auf. Und weil sich nicht jeder teure geschnitzte Figuren leisten konnte, griffen viele selbst zu Papier, Farben und Pinsel.

Familienbetriebe entstanden, berühmte Freskomaler schufen biblische Figuren auf Karton, Holz oder Papier als Vorlage und erste Bilderbogen mit Papierkrippen wurden gedruckt. Bei den Bilderbogen-Verlagen in Neuruppin und beim legendären Verlag J.F. Schreiber in Esslingen entstanden die schönsten Krippen zum Ausschneiden. Durch Prägen, Stanzen, aufwändigen Farbauftrag in vielen Schichten und mit Gelatinepapier hinterlegten Fenstern wurden wahre Luxuspapier- Krippen von großer drucktechnischer Raffinesse geschaffen, heute begehrte Sammlerstücke.

Volkstümliche Trachtenkrippe, Marie Fischerová-Kvechová (Böhmen), Papier, 13-14 cm, 1938. Die "nationale Krippe" mit 58 Einzelfiguren, Figurengruppen, Tieren und Einzelteilen. Hier treten die weltberühmten Persönlichkeiten aus der Oper von Bedrich Smetana "Die verkaufte Braut" auf. Sogar ein Kasperli ist der Krippe beigefügt.



Von und für Kinder

Bei vielen Kindern ist es immer ein ganz besonderer Moment, wenn die Weihnachtskrippe aufgestellt wird. Es ist eine ganz eigene, faszinierende Welt in der kleinen Krippe.

In der SAMMLUNG Ziehe gibt es zahlreiche kindgemäße Weihnachtskrippen, entweder komplett fertig erworben inklusive Krippenfiguren, oder als fertig gestellte Bastelarbeit zum Bemalen, Zusammenbauen und selber gestaltet.

Mit einer Weihnachtskrippe ist es viel einfacher und schöner, Kinder die Weihnachtsgeschichte näher zu bringen und vielleicht gemeinsam in der Krippe nachzuspielen.

So bekommen Kinder eine viel bessere Vorstellung davon, was vor über 2000 Jahren in der Weihnachtsnacht geschah. Sie können die einzelnen Krippenfiguren anfassen und selber mit der Weihnachtskrippe spielen. Schnell wird sich eine Lieblingsfigur herausstellen, die das Kind besonders berührt.




                                                                                                              Adventskalender und -bücher

Ein Adventskalender gehört seit dem 19. Jahrhundert zum christlichen Brauchtum in der Zeit des Advents. Der Kalender ist in verschiedenen Formen und Ausprägungen verbreitet, zeigt jedoch in der Regel die verbleibenden Tage bis Weihnachten an.

Adventskalender zählen entweder in Bezug auf das Kirchenjahr oder auf den bürgerlichen Kalender. Adventskalender, die sich auf das Kirchenjahr beziehen, umfassen den ganzen Advent (der erste Adventssonntag kann zwischen den 27. November und den 3. Dezember fallen) bis Weihnachten oder Heilige Drei Könige, während kalendarische Adventskalender am 1 . Dezember beginnen und am 24. Dezember, dem Heiligen Abend, enden. Adventskalender sollen, ähnlich wie der Adventskranz, die Wartezeit bis zum Weihnachtsfest verkürzen und die Vorfreude steigern.

Im deutschsprachigen Raum haben vor allem Kinder einen Adventskalender. Gleichwohl gibt es auch solche, die eher für Erwachsene angelegt sind.

Großes Adventshäuschen Nr. 7019 der Buchhandlung der Evangelischen Gesellschaft, Stuttgart, erschien in den 1930er Jahren und Kleines Adventshäuschen Nr. 7102 des Verlages der St.-Johannes-Druckerei, Lahr-Dinglingen, erschien in den 1930er Jahren, hier Reprint von 1969.



Moderne Krippen

Vor Krippen sollen Menschen ruhig werden, Frieden spüren und Hoffnung entwickeln. Das Schauen und Staunen sind Motivation von Künstler und Sammler. Sie freuen sich, wenn Menschen stehenbleiben, die Feinheiten entdecken und sich von der dargestellten Weihnachtsgeschichte berühren lassen.

Aus verschiedenen Werkstoffen wie Holz aus der Region, alten Eichenbalken, verwitterten Waldwurzeln und gebrauchten Holzplatten, aus Kork, Krippenmörtel, Leim und Naturfarben oder gar Abfallresten werden heute Krippen gefertigt und von der richtigen Beleuchtung in Szene gesetzt.

Eine moderne Krippe wird, ist sie gut gemacht, Kinder und Erwachsene zum Staunen bringen, leuchtende Augen hervorrufen, an die Kindheit erinnern und "unser Kulturgut bewahren".

Moderne Krippen in der SAMMLUNG Ziehe gibt es erst in geringer Zahl. Aber in den wenigen markanten Exemplaren werden doch einige Tendenzen offenbar: Abkehr von der landschaftsgebundenen Idylle und Hinwendung zu einer theologischen Aussage, Zurückdrängen des Erzählerischen und Hervorhebung des Zeichenhaften. Vernachlässigung der gewohnten Form zugunsten des Inhalts und Zusammenschmelzen offener Szenen zum geschlossenen Objekt.



                                                                                                                                     Kuriose Krippen

Die Sache scheint einfach: Mit den Berichten der Evangelisten Lukas und Matthäus von Christi Geburt wird festgestellt, wer damals dabei war, hinzu kam und was sich abspielte. Schon frühchristliche Darstellungen des Ereignisses zeigen das Jesuskind in einer Krippe oder einem Trog.

Manchmal ist es aber auch ganz anders. In Antiquitätengeschäften und viel mehr noch auf Flohmärkten gibt es hin und wieder merkwürdige Krippen, die sich eigentlich nicht eignen, gesammelt und ausgestellt zu werden. Doch subjektiv betrachtet sind sie viel zu schrullig oder ausgefallen, um nicht mit nach Hause genommen zu werden.

In einer der kuriosen Krippen der SAMMLUNG Ziehe streckt das Jesuskind dem Betrachter den Po entgegen, in einer anderen ist Platz für Radiergummi und Bleistift. Eine weitere Krippe besteht aus sechs Getränkedosen, eine aus Teebeuteln. In Lauf der Zeit sind viele sehenswürdige Exemplare zusammengekommen.