SAMMLUNG Ziehe – Krippen und mehr...



Vom Sammler

1958 geboren, bin ich bei meinen Großeltern aufgewachsen und liebe Weihnachten, seit ich denken kann.

Im Advent wurde bei uns gebacken, gebastelt und erzählt, bis es soweit war: Endlich Heligabend. Besonders erinnere ich mich an das Weihnachtsfest meines ersten Schuljahrs: Tagsüber war das Wohnzimmer abgeschlossen und verdunkelt. Meine Oma sagte mir immer, dass das Christkind drin sei, den Baum schmückt und Geschenke bringt. Ich war so davon überzeugt, dass es das Christkind gibt, das mich alle in der Schule auslachten.

Am Abend, nach dem Kirchgang, wurde zusammen gegessen: Das traditionelle schlesische Wurzelgemüse und die vielen gebrühten Würste mit Salzkartoffeln und Sauerkraut. Nach dem Essen stand mein Opa auf und ging zur Toilette. Er huschte aber ins Wohnzimmer und läutete eine Glocke. Dann war es so weit. Wir drei standen im Wohnzimmer vor einem wunderschön geschmückten Baum. Und davor stand die Krippe, vom Opa selbst zusammengeschustert, weil der Enkel auch eine haben sollte. Oma hatte einfache Pappmachéfiguren beschafft. Anschließend sangen wir Weihnachtslieder. Und ich durfte aufbleiben, bis ich zu müde war.

Noch heute denke ich mit Wehmut an diese Zeit zurück, denn ich liebte die Weihnachtsfeste meiner Kindheit.


Über den Sammler

"Wolfgang Ziehe hat sich verliebt... in seine Krippen und -figuren. Mit dem Sammeln hat er im Sommer 2003 angefangen. Seine Sammlung umfasst mittlerweile über 250 Exponate.

Behutsam werden sie aufgebaut, jeder Figur ins Gesicht geschaut, neue (alte) Figuren werden tiefgefroren, um sie vom Holzwurm zu befreien. Ziehe taucht in seine Krippen ein und, wenn man intensiv in einer seiner Krippen sucht, entdeckt man eine Figur von ihm selbst.



Wolfgang Ziehe ist ein Weihnachtsliebhaber. Ich würde fast sagen, er kann es gar nicht abwarten, dass die Advents- und Weihnachtszeit beginnt. Das bildhaft dargestellte Geschehen der Heiligen Nacht gilt als Ursprung der traditionellen Krippendarstellung. Diese Tradition wurde fortlaufend weiter verbreitet und Ziehe versucht heute mit seinen Krippen die Geschichte der Heiligen Nacht zu transportieren in eine Zeit, die mit einem gewissen Traditionsabbruch zu tun hat. Für ihn ist Weihnachten nicht nur eine Zeit im Winter, sondern auch im Sommer ist die Geschichte von Jesu Geburt, von Gottes Kommen in die Welt gegenwärtig. Seine Wohnung spiegelt davon etwas wider.

Seine Sammlung bekommt immer mehr ihr Profil. In den vergangenen Jahren besuchte Ziehe zahlreiche Flohmärkte, Sammler und Antiquitätengeschäfte im In- und Ausland. Auf diese Weise konnte er unzählige Krippen sehen und viele Stücke erwerben. Dabei fehlt nicht die Spaß- und Spektakelkunst, doch zu gefällige Objekte sucht der Betrachter vergebens.

Dabei hat er eine Sammlung mit einem unerwarteten Panoramablick aufgebaut. Der Bogen ist sehr weit gespannt und man kann beim Betrachten nicht sagen, dass man es auf Schritt und Tritt mit Vorlieben und Spezialisierungen zu tun hätte, denn vom böhmischen Krippenberg über die unverwechselbaren Papierkrippen bis hin zu Figuren aus Holz, Wachs, Ton oder festem Karton gibt es fast alles. Ziehe hat Krippen aus Gips, aus Salzteig oder Presspappe mit der gleichen Intensität gesammelt wie andere aus Jutegewebe, Glas oder Metall. Was diese unterschiedlichen Krippen verbindet, ist das geduldige Bemühen des Sammlers, vorwiegend Krippen des vergangenen Jahrhunderts zusammenzubekommen."

Uwe Völker, Pastor in Bovenden

Freizeit

Keine Frage – der Besuch von Antiquariaten und der Bummel über einen Antikmarkt sind meine liebsten Freizeitbeschäftigungen. Hier fahnde ich nach verborgenen Schätzen, schwatze mit fremden Menschen und erstehe Nötiges und Ausgefallenes für oft kleines Geld. Oft frage ich mich nach ermüdenden Stunden in dem engen Gedränge, was den Markt trotzdem so attraktiv macht?


Flohmarkt verspricht ein spannendes Vergnügen. Dort kann ich auf Schatzjagd gehen, nette Leute kennenlernen und Kurioses bestaunen. Der Flohmarkt ist daher vor allem ein Ort für Nostalgiker und Romantiker.

Frühes Aufstehen ist ein Muss. Um 5 Uhr morgens, wenn die ersten Verkäufer kommen, kann ich es kaum erwarten, bis alle Waren ausgepackt sind. Die besten Schnäppchen haben noch vor Sonnenaufgang ihren Besitzer gewechselt. Als Sammler, der sich zeitig auf den Weg macht, eile ich mit fachmännischem Blick von Stand zu Stand (dabei oft mit Taschenlampe) und mache schnell die Händler aus, die für mein Sammelgebiet von Interesse sind. Jetzt wird gefeilscht, was das Zeug hält. Der Sammler kennt die Preise für die Objekte seiner Begierde ziemlich genau.

Viele Krippen stammen aus Speichern und  Kellern und sind überwiegend im Besitz anderer Leute gewesen. Darunter gibt es echte Antiquitäten, die sich einer bestimmten Epoche zuordnen lassen, aber auch andere, deren Preis und Wert von individuellen Interessen abhängt. Doch Handeln funktioniert auf dem Flohmarkt reibungslos. Für mich sind Spezialmärkte von noch größerer Bedeutung als der gemeine Flohmarkt, aber auch hier kehre ich ab und an mit einem Schnäppchen heim.

Ist die Kaufsucht befriedigt, flaniere ich einfach nur aus Spaß über den Trödelmarkt und genieße das Flair, bestaune das bunte Treiben, treffe nette Menschen und kaufe diese oder jene - meist unnötigen - Dinge.